Schlagwörter

, ,


Mit den gängigen Fahrradhelmen auf dem Kopf sieht man aus wie aus dem Schützengraben oder wie etwas, das Captain Kirk und seine Crew unterwegs entdeckt haben. Auf die Frage, warum es keine hübschen Helme gibt, schallt es unisono zurück, ein Helm wäre zur Sicherheit da. Doof auszusehen sollte einem diese Sicherheit wert sein.

Eine Geißel der radelnden Menschheit sind parkende Autos. Jedes Auto am Straßenrand ist ein Springteufel. Es lauert mir auf, um eine Autotür quer vor mein Rad zu schleudern und hämisch zu lachen. Wahrscheinlich handelt sich um einen perfiden Reaktionstest, den ich bislang bestanden habe. Wenn auch knapp.

Das liegt daran, dass ich reichlich Abstand zur rechten Seite halte. Immer eine Autotürbreite plus Sicherheitszugabe zwischen mir und den parkenden Zeitbomben. Dafür werde ich von hinten angehupt, aber lieber das als mit gebrochenem Handgelenk mitten auf der Hauptverkehrsstraße liegen. Mit Sorge betrachte ich die scheuen Radler, die sich dicht an den parkenden Autos entlangstehlen, zum Teil noch rechts von der Fahrbahnmarkierung. Wenn so einer vor mir von einer Autotür gefällt wird, reißt er mich mit ins Elend.

Den Abstand auf der rechten Seite kann ich meist selbst regulieren. Dafür rächen sich viele Autofahrer auf der linken. Sie schießen hautnah an mir vorbei. Bislang haben sie mich nicht erwischt, aber das war reine Glückssache.

Ich sollte es schmeichelhaft finden, dass so viele Autofahrer meine Nähe suchen. Studien ergaben, dass Fahrradfahrer umso enger geschnitten werden, je mehr Fahrtauglichkeit ihnen zu getraut wird. Andererseits behauptet die Wissenschaft, dass Frauen mehr Platz auf der Straße eingeräumt wird als Männern. Wahrscheinlich überstrahlt meine Souveränität meine Weiblichkeit.

Um nicht mehr so knapp überholt zu werden, hat eine Kollegin ihre funktionelle Fahrradkleidung mit Helm gegen einen bunten kurzen Rock und wallende Locken eingetauscht. Dazu hat sie ein linkisches Wackeln eingeübt. Seitdem fühlt sie sich viel sicherer auf dem Weg zur Arbeit. Die Autofahrer machen einen großen Bogen um sie.

Als Sicherheitsausstattung für die Stadt sollte es also folgendes Set geben: Eine langhaarige Perücke, am besten blond, einen kurzen Faltenrock zum umschnallen und hohe Schuhe. Es würde die Sicherheit gravierend erhöhen. Ich wette, dass auch Männer in diesem Aufzug besser gesehen würden.

Dazu wünsche ich mir ein historisches Accessoire herbei: den Abstandshalter am Gepäckträger. Leider sieht der Klassiker extrem uncool aus, aber gibt es in Berlin nicht so viele junge Designer? Der Abstandshalter der Zukunft sollte knallbunt sein, glitzern, am Ende sollten Krallen oder Nägel dem Wunsch nach Raum Nachdruck verleihen. Ich sehe es schon vor mir: Tausende Radler mit Röcken, Stöckelschuhen, blonden Perücken und brillantenbesetzten Abstandhaltern, die die Berliner Straßen bevölkern. Eine Art täglicher Christopher-Street-Day, aber das sollte uns die Sicherheit doch wert sein.

Advertisements