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AutodachBeim Zähneputzen läutete es. „Werbung“, dachte ich und putzte weiter. Es klingelte noch einmal. Ich spülte den Mund aus und ging zur Wohnungstür. Durch den Spion sah ich zwei Männer. Wahrscheinlich Abgesandte der Hausverwaltung, die wie üblich vergessen hatten, einen Termin zu vereinbaren. Vielleicht wollten sie sich endlich um den Marder im Dach kümmern. Ich öffnete die Tür.

„Haben Sie heute Nacht ein Fahrrad von ihrem Balkon auf mein Auto geworfen?“, fragte der eine Mann.

Ich stand still, die Zahnbürste in der Hand, während mein Hirn versuchte, die Botschaft zu entschlüsseln.

„Warum sollte ich das tun?“, fragte ich dann lahm. „Dabei wäre das Fahrrad kaputtgegangen.“

„Es ist eine Delle in meinem Auto.“

„Aber ich hätte das Rad bis in den fünften Stock schleppen müssen. Mein Fahrrad steht immer unten im Fahrradraum.“ Ich wurde unruhig. „Da steht es doch?“

„Ich weiß nicht“, sagte der Mann. „Fest steht, dass heute Nacht ein Fahrrad in den Hinterhof geworfen wurde.“

„Das hätte Krach gemacht“, wandte ich ein.

„Es war sehr laut.“

„Ich habe nichts gehört.“

„Wir schon.“ Der zweite Mann, der offensichtlich als Bodyguard fungierte, nickte.

Die beiden schauten mich gespannt an. Würde ich ein Geständnis ablegen?

„Ich habe geschlafen und weiß von nichts“, sagte ich. „Auf Wiedersehen und viel Erfolg.“ Ich drückte die Wohnungstür zu, ohne dass sie mich daran hinderten.

Ich ging auf den Balkon und sah nach unten. Im Hof lag ein verbeultes Rad neben einem Auto. Ich erinnerte mich. Ich hatte das Auto dort stehen sehen, als ich spät nach Hause gekommen war. Ich hatte mich darüber geärgert, denn in diesem Hof hatten Autos nichts zu suchen.

Sinnlos betrunken war ich nicht gewesen. Vielleicht war ich jedoch in einem Alptraum über rücksichtslose Autofahrer aufgestanden, schlafwandelnd nach unten gegangen, hatte mein Rad aufgeschlossen, hoch getragen und über die Balkonbrüstung geworfen. Um dann erleichtert in tiefen Schlaf zu sinken.

Vielleicht hatte es auch in der Nacht an der Tür geklingelt, ich hatte im Schlafanzug geöffnet und einen grimmigen Mann eingelassen, der ein Fahrrad durch meine Wohnung auf den Balkon schleppte, nach unten warf, sich höflich bedankte und wieder ging.

Mein Rad stand brav im Fahrradraum. Das verbogene Ding im Hof war mir unbekannt. Das Auto hatte eine Delle, aber nicht im Dach, sondern an der Seite. Sherlock Holmes hätte sich einige Fragen zum Ablauf der Ereignisse gestellt, da war ich mir sicher.

Abends waren Auto und Fahrradwrack verschwunden. An den Stellen, wo die Autoräder gestanden hatten, waren Kuhlen im gepflasterten Boden. Sollte ich schlafwandelnd mit solcher Wucht ein fremdes Rad auf das Auto geworfen haben? Immerhin nicht mein eigenes. Aber ich kam doch ins Grübeln.

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