Buchempfehlung: Die Wüstengängerin von Alice Grünfelder

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Ich schreibe und zeichne nicht nur, ich lese auch gern. Und manchmal entdecke ich ein Buch, dem ich viele Leserinnen und Leser wünsche. So eines ist „Die Wüstengängerin“ von Alice Grünfelder. Das Buch hat mich in eine ferne Welt entführt und zum Nachdenken gebracht. Und deswegen möchte ich es hier vorstellen.

„Die Wüstengängerin“ nimmt einen mit in den westlichsten Teil Chinas. Xinjiang erscheint als unwirtlicher Ort. Es ist heiß, es ist dürr, überall liegen Sand und Staub.

Vor langer Zeit begegneten sich hier Menschen aus vielen Ländern auf der Seidenstraße. Buddhisten hinterließen Wandmalereien in den Berghöhlen, die inzwischen auf Touristentouren präsentiert werden. Doch sehr viel mehr sollen Reisende nicht mitbekommen von der Region. Die politische Lage ist undurchsichtig. Teile der einheimischen Bevölkerung, heute zumeist muslimischen Glaubens, kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Die chinesische Regierung versucht dagegen mit aller Macht der Region eine chinesische Identität überzustülpen. Sogar die Uhren zeigen Pekinger Zeit, obwohl das der Tageszeit vor Ort in keiner Weise entspricht.
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Gleichgewicht der Kräfte

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Gegenkräfte; Grafik: K. PollnerStreiten nach Herzenslust war ihr Wahlspruch.

Das Kreuzen der Klingen war ihre Zärtlichkeit.

Sie ließen nichts ungesagt.

Sie schlugen sich Wunden, um sich zu versöhnen.

Als Mädchen war sie brav und still gewesen.

Sie weinte und stampfte mit dem Fuß, aber sie kämpfte nicht.

Jetzt war sie zur Kriegerin geworden.

Wenn er nicht widersprach, packte sie die Angst.

Sein Widerstand gab ihr Rückgrat.

Ohne ihn würde sie ins Leere stürzen und zerschellen.

 


Jede Woche lädt Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ dazu ein, aus drei vorgegebenen Wörtern einen Kürzesttext mit maximal zehn Sätzen zu entwickeln. Diese ABC-Etüden sind ein vergnügliches Schreibspiel mit vielen Teilnehmer*innen.

Nachdem ich ein paar Wochen versäumt habe, reiche ich heute einen Text zur Woche vor Ostern nach. In der Schreibeinladung für die Woche 13.2018 stammten die Wörter aus dem Gedankenarchiv von Gerda Kazakou, Malerin und Schreiberin (gerdakazakou.com). Sie lauten Herzenslust, brav und versöhnen.

Österliches Mäandern

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Ostermäander; Grafik: K. Pollner„Lass uns doch dieses Jahr Seder feiern.“

Heimliches Googeln hilft, aber ich weiß nicht, was es bedeutet.

„Hat es dir die Sprache verschlagen?“

Er grinst und sein falscher Zahn glitzert metallisch.

„Ich bemal nicht mal Eier, warum soll ich Seder feiern?“

„Es ist eine schöne Tradition.“

„Nicht meine.“

„Öffne dich neuen Traditionen.“

„Was bitte ist eine neue Tradition?“

„Meine Liebe, dein einziges Ritual ist Wörter klauben.“


Jede Woche lädt Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ dazu ein, aus drei vorgegebenen Wörtern einen Kürzesttext mit maximal zehn Sätzen zu entwickeln. Diese ABC-Etüden sind ein vergnügliches Schreibspiel mit vielen Teilnehmer*innen.

In der Schreibeinladung für die Woche 14.2018 stammen die Wörter aus dem Gedankenarchiv von Frau dergl und ihrem Blog, den Fädenrissen (faedenrisse.wordpress.com). Sie lauten Seder, metallisch und mäandern.

Sonne sammeln

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Wintersonne; Grafik: K. PollnerSie sitzt im Frost auf dem Balkon und nimmt das Leuchten in sich auf.

„Tu doch was“, sagt die Mutter.

Sie ruht als Stein im Strom der Zeit.

„Du bist bräsig wie ein alter Onkel.“

Das Licht dringt durch die Poren und lässt die Augenlider glühen.

„Wenn du nur auf dem Hintern sitzt, wirst du immer dicker und hässlicher“, sagt die Mutter.

Sie filtert die Schönheit aus dem Moment, saugt die Wärme auf wie eine Batterie Sonnenkollektoren.

„Und was ist mit Mathe?“, schreit die Mutter und wirft den Mixer an.

Scharfe Klingen pürieren die bitteren Kräuter zu Brei.

Sie lässt das Brüllen an sich vorüberziehen und strahlt.


Diese Woche ist eine ganz besondere Etüden-Woche, denn diesmal durfte ich die Wörter spenden, aus denen bei diesem Spiel Kürzesttexte entstehen. Nicht mehr als zehn Sätze soll ein Text umfassen.

Wie immer hat Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ dazu eingeladen: Schreibeinladung-fuer-die-textwoche-09-18. Merci beaucoup!

Meine drei Wörter waren: Sonnenkollektoren, bräsig und pürieren.
Ich bin gespannt, was daraus alles werden wird.

Rettungslos

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Ohnmacht; Grafik: K. PollnerJetzt einen Ohnmachtsanfall.

Malerisch zu Boden gleiten und ihm die Situation in die Hände legen.

Nur bewusstlos kann sie nichts Falsches sagen.

Würde er so tun, als habe er nichts bemerkt?

Würde er sie derbe rütteln wie einen Sack Kartoffeln?

Oder er würde glauben, er werde angekohlt?

„Hör auf mit dem Spiel“, würde er sagen. „Ich weiß nicht, was du von mir willst.“

Sie hat die Besinnung nie verloren und wird auch diesmal nicht entkommen.

So piddelt sie an ihrem Ausschnitt und redet sich um Kopf und Kragen.


Jede Woche lädt Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ dazu ein, aus drei vorgegebenen Wörtern einen Kürzesttext mit maximal zehn Sätzen zu entwickeln. Diese ABC-Etüden sind ein vergnügliches Schreibspiel mit vielen Teilnehmer*innen.

In der Woche 7.2018 habe ich die Schreibeinladung versäumt (Schreibeinladung für die Textwoche 7.18). Umso lieber reiche ich jetzt meine Etüde nach.

Herzlichen Dank auch an Bernd (vom Blog redskiesoverparadise.name), der die drei Wörter für die siebte Woche 2018: Ohnmachtsanfall, angekohlt (hier und hier nachlesen) und piddeln spendierte.