Knochenjob im Jahreskreis – was es heißt, ein Monat zu sein

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Monate; Grafiken: K. Pollner

Was bedeutet es, ein Monat zu sein? Wird es nicht langweilig, sich Jahr für Jahr abzulösen? Immer dieselbe Reihenfolge, ähnliches Wetter, derselbe Vorgänger und Nachfolger? Wie ist das Arbeitsklima nach unzähigen Jahren der Zusammenarbeit?

Wie ergeht es eigentlich den Wochen, Tagen, Stunden und Sekunden, die den Monaten zuarbeiten? Sind sie zufrieden in einer Organisation, in der Männlichkeit offensichtlich eine Voraussetzung ist, um zum Monat aufzusteigen?

Träumt der November von einer Hitzewelle? Und wünschen sich manche Monate längst den Ruhestand herbei?

Diesen und weiteren Fragen war ich zwei Jahre lang auf der Spur und berichtete darüber regelmäßig im Bodenlosz-Archiv.

Die entstandenen 13 Kalendergeschichten bilden ein Jahrbuch eigener Art und sind seit August 2016 als E-Book bei Amazon erhältlich.

Über den kaufenden Mann

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Einkaufender Mann; Grafik: K. PollnerDie Spatzen pfeifen es von den Dächern: Frauen kaufen anders ein als Männer. Es muss an den Genen liegen. So wie Frauen in der Urhorde von einem Liebhaber zum anderen streiften, um sich per Genshopping einen bunten Strauß überlebensfähiger Nachkommen anzuschaffen, schlendern Frauen heute durch die Läden und lassen sich mal von dieser Auslage anlocken, mal von jener. Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Frauen auf diesen Irrwegen während eines schlichten Wochenendeinkaufs locker einen Halbmarathon bewältigen und das bei zunehmender Beladung. Eine Leistung, die zu wenig gewürdigt wird.

Männer hingegen verschaffen sich im Eingangsbereich einen Überblick und schießen dann zielstrebig auf die erste Ware zu, die ihren Bedürfnissen entsprechen könnte. Sie zerren die Beute vom Stapel und schleppen sie rasch aus dem Blickwinkel etwaiger Konkurrenten.
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Appendix II

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Drachenauge„Wie geht es dir, meine Schöne“, sagte der Prinz. „Mir geht es schlecht,“ fuhr er fort, „sehr schlecht. Ich fühle mich schwach und mein Kopf tut weh.“

Das mochte auch daran liegen, dass der Drache hinter dem Prinzen hockte, seinen Schwanz eng um seinen Brustkorb gewickelt hatte und seinen großen dreieckigen Kopf auf seiner Schulter abstützte. Aus seinen Nüstern strömte grünlicher Rauch, der als Wolke um den Kopf des Prinzen stand. Der Prinz hustete. „Ich bin nicht gut drauf heute. Mit mir ist nichts los,“ sagte er und fasste sich an die Stirn.

Fast hätte die Prinzessin den Drachen erwähnt, aber sie wusste inzwischen, es wäre ein Fehler. Der Drache war allgegenwärtig und wenn er die Schwingen spreizte wie jetzt, schien er den ganzen Raum zu füllen. Sie redete nicht mehr über ihn. Sie versuchte es wenigstens. Es lag ihr auf der Zunge und manchmal stürzten die Worte hinaus, bevor sie ihr Verstand daran hindern konnte. So freundlich der Prinz sonst sein mochte, sobald die Prinzessin den Drachen erwähnte, wendete sich der Prinz gegen sie. Es war außerdem sinnlos, über den Drachen zu reden, denn er war ja nicht zu übersehen.

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Appendix I

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Drachenauge„Was ist das“, sagte die Prinzessin. Sie zog die Decke hoch und rutschte an die Wand.

„Was“, sagte der Prinz. Er hatte die Augen noch geschlossen. Selbst seine Augenlider reizten die Prinzessin, sie zu küssen. Doch jetzt hatte sie ein Problem.

„Das“, sagte sie.

Das Ding fing an zu knurren. „Beachte ihn einfach nicht“, sagte der Prinz, immer noch ohne die Augen zu öffnen. „Er gehört zu mir.“

„Was ist das“, sagte die Prinzessin. „Was – ist – das?“
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Der süße Brei

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Toepfchen. Grafik: K. PollnerWenn ein Kind heute im Wald spazierte und eine alte Frau träfe. Die schaute das Kind freundlich an und fragte es, ob es Hunger habe.

„Und ob“, sagte das Kind, denn das Frühstück war schon eine Weile her. Das Kind kam aus der Schule.

„Dann habe ich hier etwas für dich“, sagte die wunderliche alte Frau und zog aus einer ihrer Plastiktüten einen kleinen Topf. Der Topf war angestoßen, aber er schien sauber zu sein. Das Kind wollte ihn nicht annehmen, denn die Frau schien nicht sehr viele Habseligkeiten zu besitzen. Doch sie bestand darauf, ein Geschenk sei ein Geschenk. Und so nahm das Kind den kleinen Topf mit und lief nach Hause.

Es wusste, dass seine Mutter den Topf nicht haben wollte. Unhygienisch würde sie ihn nennen und überhaupt hatten sie einen Induktionsherd. Deswegen hatte die Mutter alles neu gekauft und die alten Töpfe für Geflüchtete gespendet.
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