Rettungslos

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Ohnmacht; Grafik: K. PollnerJetzt einen Ohnmachtsanfall.

Malerisch zu Boden gleiten und ihm die Situation in die Hände legen.

Nur bewusstlos kann sie nichts Falsches sagen.

Würde er so tun, als habe er nichts bemerkt?

Würde er sie derbe rütteln wie einen Sack Kartoffeln?

Oder er würde glauben, er werde angekohlt?

„Hör auf mit dem Spiel“, würde er sagen. „Ich weiß nicht, was du von mir willst.“

Sie hat die Besinnung nie verloren und wird auch diesmal nicht entkommen.

So piddelt sie an ihrem Ausschnitt und redet sich um Kopf und Kragen.


Jede Woche lädt Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ dazu ein, aus drei vorgegebenen Wörtern einen Kürzesttext mit maximal zehn Sätzen zu entwickeln. Diese ABC-Etüden sind ein vergnügliches Schreibspiel mit vielen Teilnehmer*innen.

In der Woche 7.2018 habe ich die Schreibeinladung versäumt (Schreibeinladung für die Textwoche 7.18). Umso lieber reiche ich jetzt meine Etüde nach.

Herzlichen Dank auch an Bernd (vom Blog redskiesoverparadise.name), der die drei Wörter für die siebte Woche 2018: Ohnmachtsanfall, angekohlt (hier und hier nachlesen) und piddeln spendierte.

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Abflug

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Pimpinelle; Grafik: K. Pollner„Na, du Pimpinelle?“

„Was soll das heißen?“

„Es passt einfach zu dir.“

„Ich weiß nicht einmal, was das ist, eine Pimpinelle.“

„Das ist genau so eine wie du, mein Liebchen.“

„Hör auf zu glucksen!“

„Jetzt bist du beleidigt, mein kleiner Wiesenknopf!“

„Ich bin nicht deine Pimpinelle und ich werde es nie nicht sein.“

„Oh, wie stürmisch, das gefällt mir gut.“

Sie wendet sich ab, breitet die Flügel aus und steigt in die Lüfte.


Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ lädt wöchentlich dazu ein, ABC-Etüden zu schreiben. Drei gegebene Wörter sind in maximal zehn Sätzen sinnvoll unterzubringen.

Ich habe die Einladung für die Woche 8.2018 (Schreibeinladung für die Textwoche 8.18) wieder sehr gern angenommen. Vielen Dank!

Petra Schuseil vom Wesentlich-Werden-Blog (wesentlichwerdenblog.wordpress.com) spendete für diese Woche die Wörter Pimpinelle, stürmisch und glucksen.

Lachen und singen

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Karneval; Grafik: K. PollnerVorn auf der Bühne sucht ein alter Mann im Unterhemd Pointen.

Das Publikum kreischt nach jedem Tusch und klatscht.

Sie haben es sich etwas kosten lassen, jetzt sind sie knallvergnügt.

Wer nicht lacht, wird mit der Wasserpistole niedergestreckt.

Vorn auf der Bühne markiert ein Mann mit Singsang sein Revier.

Die Worte sträuben sich, doch er zwängt sie in schiefe Reime ein.

Die Frau unter der grünen Lockenwolke reißt eine Luftschlange in Stücke.

Der Nachbar starrt ihr in den Ausschnitt und kippt den elften Schnaps.

Vorn auf der Bühne spielt ein alter Mann ein Huhn und legt ein Ei.

Jetzt nicht auf Alkohol verzichten, denkt die Frau und leert das nächste Glas.


Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ lädt wöchentlich dazu ein, ABC-Etüden zu schreiben. Drei gegebene Wörter sind in maximal zehn Sätzen sinnvoll unterzubringen.

Ich habe die Einladung für die Woche 6.2018 (Schreibeinladung für die Textwoche 6.18) wieder sehr gern angenommen. Vielen Dank!

Anna-Lena von visitenkartemyblog.wordpress.com schenkte uns die schönen Wörter Unterhemd, knallvergnügt und verzichten.

Für das, was ich daraus gemacht habe, trägt sie keine Verantwortung 🙂

Ausbruch

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Ausfahrt; Grafik: K. Pollner

Sie hat den Jungen immer für einen dieser Radfahrer gehalten, die kein Fleisch essen und Baumwollbeutel mit sich herumtragen, aber nun lässt er einen Autoschlüssel auf ihrem Nachttisch liegen.

Es muss ein Zeichen des Himmels sein.

Kaum ist er aus dem Zimmer, greift sie zu und schleicht sich nach unten.

Sie drückt auf den Autoschlüssel und ein schwarzer Sportwagen am anderen Ende des Parkplatzes zwinkert ihr zu.

Sie trägt noch ihre Lammfellpantoffeln, aber sobald sie aufs Gaspedal steigt, wird das keine Rolle mehr spielen.

Im Auto empfängt sie der Duft von frischem Leder, vor der Windschutzscheibe baumelt eine Diskokugel und beim Anlassen jault harte Musik auf.

Fast tut es ihr leid, diesem Benedikt das Auto zu klauen, doch dies ist ihre letzte Chance auf ein Abenteuer.

Sie schießt aus der Parklücke, schleudert auf zwei Rädern um die Kurve und nimmt die Landstraße in Angriff.

Rollatoren, schlappe Eintöpfe, Cholesterinsenker, Desinfektionsmittel und Mullbinden, all das versinkt hinter dem Horizont.

„Du bist wahnsinnig, mein Kind“, sagt sie sich, „aber nach 98 Jahren guter Manieren hast du es redlich verdient, verrückt zu spielen!“


 

Eine Nachschreib-ABC-Etüde für die letzte Woche, wie immer auf Einladung von Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ (Schreibeinladung für die Textwoche 4.18).

Sabine vom Blog wortgeflumselkritzelkram spendierte drei Wörter für die vierte Woche dieses Jahres: Diskokugel, wahnsinnig und klauen. Daraus war eine Kürzestgeschichte zu bilden (maximal zehn Sätze).

Herzlichen Dank an beide für dieses Spiel!

Trübes Wetter

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Scherben; Grafik: K. PollnerHinter den Fenstern graupelt es.

Nicht einmal richtigen Schnee bringt dieser ewige Winter zustande.

Der Marmor trägt hellbraune Borten aus Kalk.

Sie schrubbt energisch über das Fensterbrett und stößt an das Krüglein aus dem Reiseandenkenladen in Split.

Nach kurzem Zögern stürzt sich das hässliche Krüglein in den Tod.

Schlüsselblumengelbe Scherben streuen sich auf dem Linoleum aus, leuchten Gelb auf Grün wie ein zynischer Gruß des ausbleibenden Frühlings.

Sie bückt sich und sammelt die Scherben auf.

Ein scharfer Schmerz an ihrem Daumenballen und Rot mischt sich ins Gelb.

Das Krüglein geht so lang zum Brünnlein, bis es bricht, denkt sie.

Als ob die Verniedlichung es erleichterte.


Eine neue ABC-Etüde, natürlich auf Einladung von Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ (Schreibeinladung für die Textwoche 5.18). Merci!

Elke Speidel vom Blog transsilabia.wordpress.com spendete die drei Wörter für diese Woche: Krüglein, schlüsselblumengelb und graupeln. Daraus war eine Kürzestgeschichte zu bilden (maximal zehn Sätze).