Offenbarungen

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Croissant; Grafik: K. PollnerDer Kollege hat eine andere Stelle gefunden und verabschiedet sich. Das kam plötzlich; wir bedauern es. Der Kollege hat Kuchen mitgebracht. Und so sitzen wir im Kreis, kauen und fragen, was es denn auf sich hat mit der Veränderung.

„Ich will weg“, sagt der Kollege.

Von uns?

„Von all dem hier.“

Ich kenne dieses Gefühl: hinschmeißen und neu anfangen. Ich bin dann doch geblieben, der Kollege scheint mutiger.

„Du ziehst aufs Land?“, fragte ich.

„Hauptsache weg“, gibt er zurück.

„Mal ganz anders leben“, sagt eine Kollegin. „Das reizt mich auch. Die Großstadt strengt an.“

„Der ganze Scheiß“, sagt der Kollege. „Es wird immer schlimmer. Ich warte nicht, bis alles zusammenbricht.“
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Treibsel

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Facebook spült es mir an: Ein Autor will Autorinnen fördern. Aha, denke ich. Förderung ist immer gut. Kann ich mich bewerben?

Ich lese weiter. Der Autor, den ich nicht kenne, aber wahrscheinlich kennen sollte, denn er ist erfolgreich, hat, wie er betont, alle namhaften Preise und Förderungen gewonnen, als er jung war, dieser Autor möchte jetzt etwas zurückgeben.

Das ist ein feiner Zug. Was haben Autorinnen für ihn getan? Geht es um individuelle Frauen und deren Dienstleistungen? Oder hat er Autorinnen im Allgemeinen etwas weggenommen, das er zurückerstatten möchte?
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Regentrude

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Ich sehe sie nur, wenn es regnet, und auch dann nur aus dem Augenwinkel. Ein grünes Regencape schlüpft durch den Spalt der zufallenden Hoftür. Eine Bewegung lässt mich aufblicken, kurz bevor sie um die Ecke verschwindet. Ich höre ein Gluckern, hebe den Kopf und kann eine Momentaufnahme erhaschen. Meist sehe ich nur die Stelle, an der sie eben war. Sie ist eine Erinnerung, die mir entgleitet.

Ich habe meine Nachbarinnen beobachtet, die mit bunten Sonnentops und schief getretenen Flip Flops durch den Hof laufen. Keine von ihnen kann die Regenfrau sein. Es ist nicht nur die Kleidung und die Figur, es ist ihre Präsenz. Die Sonnenfrauen sind klar umrissen. Sie verschwimmen nicht, sie heben sich ab und sind stabil.

Die Regenfrau tritt leise auf. Sie blubbert und plätschert und perlt. Manchmal glaube ich ein Lachen zu hören. Ein Lachen, das bereits vom Regen verschluckt wurde, sobald ich die Ohren spitze. Doch wer lacht im Regen? Weiterlesen

Bestellt und nicht abgeholt

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Zwei Spieltiere warten

Wir sitzen im Dunkeln. Und warten. Draußen sehen wir nichts. Unsere Spiegelbilder versperren uns den Blick.

Wir starren aufs Fenster und harren aus.

Eben noch ein Zug, der gleich einfahren wird. Eine Stimme, die Stationen ansagte; ein Monitor, der präzise die Verspätung angab. Auf die Minute genau. Man rechnete mit uns. Ein Gleis war uns bestimmt.

Jetzt sind wir auf dem Abstellgleis.
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Schreiben in Zeiten des Lärmens

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Ich bin still geworden. Zu viel Lärm da draußen. Zu viel Gepöbel und Gebrüll. Zu viele Halb- und Scheinwahrheiten. Zu viele Lügen, die sich nicht einmal als Wahrheit verkleiden wollen. Zu viele Momente, in denen mir der Mund offen stehenbleibt.

Ich habe das Gefühl, widersprechen zu müssen. Ich liefere mir Gefechte und bin mir nicht sicher, wohin das führt. Das laugt mich aus. Ich bin nicht die Einzige.

Um zu widersprechen, muss ich die Ohren öffnen und hinhören, was da geplappert, kolportiert und mir vor den Latz geknallt wird. Ich versuche, der Vernunft und der Menschlichkeit eine Stimme zu geben. Manchmal gelingt es mir, manchmal kann ich anderen dazu verhelfen, dass es gelingt, aber immer ermüdet es mich.
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