Orbit

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HimmelskörperAls er die Augen öffnete, war er verloren, doch dann erinnerte er sich an ihre exzentrische Wanderung durch die Dunkelheit.

Kuß auf Kuß riss ihn hin, immer verwirrender leuchtete ihre Gestalt im ultravioletten Licht der Erregung.

So viele Monde lang hatten sie sich angezogen und abgestoßen wie Doppelsterne, die einander in wilde Umlaufbahnen schleudern und niemals aufeinanderprallen.

Jetzt saß sie nackt neben ihm auf dem Bett, ihre Haut bläulich im Widerschein des Bildschirms.

Sie sprühte Funken und er suchte in ihren Augen einen Supernovaüberrest.

„Ich kann nicht glauben, dass es geschehen ist“, rief sie.
„FRB 121102 polarisiert in stoßweisen Schwingungen.“

„Tatsächlich“, sagte er.

Sie versank in den Zahlen, die den Durchbruch bedeuteten.

Diese Nacht war ihre Nacht, doch wieder trennten Lichtjahre ihre Körper.


2018 geht es weiter mit den ABC-Etüden. Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ lädt dazu ein (Schreibeinladung für die Textwoche 3.18). Merci!

Ludwig Zeidler spendete die drei Wörter für diese Woche: FRB 121102, ultraviolett und Supernovaüberrest. Daraus war eine Kürzestgeschichte zu bilden (maximal zehn Sätze).

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Ein Knochenjob – Interview mit dem Januar

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KalenderSchon vor ein paar Jahren besuchte uns im Bodenlosz-Archiv ein prominenter Gesprächspartner, der dennoch selten zu Wort kommt: der Januar.
Das Interview führte Nina Bodenlosz (NB).

NB: Herr Januar, warum immer diese Kälte?

Januar (01): Was gibt es zu nörgeln? Ich fange extrem mild an.

NB: Finden Sie es schön, am Anfang zu stehen?

01: Das war nicht mein Wunsch! Früher begann das Jahr im März.

NB: War das besser?

01: Schlechter war es nicht. Doch die Unternehmensberater waren im Haus und es fiel ihnen wohl nichts Besseres ein.

NB: Etwas Veränderung alle paar hundert Jahre ist doch gut.

01: Never change a running system. Alles wurde damals in Frage gestellt. Die Jahreszeiten sollen neu strukturiert werden. Wir gehen mit der Zeit, hieß es. Haben wir je etwas anderes getan?
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Umbruch

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Silvester; Grafik: K. PollnerSeit Tagen Detonationen in den Straßen und U-Bahnzugängen.

Das Neujahrsläuten ist kaum zu hören, so laut knallen die Berliner Böller.

Sie stellt sich mit einer Wunderkerze unter den Mistelzweig.

In den Rauhnächten hat sie die Stelle gemieden.

Sie wollte keinen Vorwand für einen Kuss bieten.

Die WhatsApp-Nachricht hat sie schon vorhin geschrieben.

Die Notaufnahme ist sicher überfüllt, so dass er keine Zeit hat, sie zu lesen.

Es gibt eine feine Linie zwischen Kälte und Heuchelei.

Was bleibt außer dem kaputten Christbaumständer, Bleiklumpen und einem schalen Gefühl?

Vorsätze und der Entschluss, dem verschonten Karpfen die Freiheit zu schenken.


Zum Jahreswechsel eine Etüde aus 12 Wörtern in 10 Sätzen.

Eingeladen hat natürlich Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ (Schreibeinladung für die Weihnachts- und Neujahrsetüden).

Ich danke ihr für zahlreiche Inspirationen in diesem Jahr
und wünsche ihr und allen EtüdistInnen ein kreatives Jahr 2018,
Und allen LeserInnen natürlich auch!

Alice Grünfelder noch einmal zu Gast im Bodenlosz-Archiv

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ttbw_buttonJedes Jahr wird im weltbesten Netzwerk, dem Texttreff, bloggewichtelt. Diesmal hat mir Alice Grünfelder vom Blog iteraturfelder gleich zweimal beschert. Als ersten Streich schenkte sie mir einige „Tierminiaturen„. Der zweite Streich folgt nun: Alice war auf Reisen. Aus Lhadak hat sie Unterwassergefunkel mitgebracht.

Ich freue mich über das funkelnde Mitbringsel!

Alice Grünfelder — Früh am Morgen

Früh am Morgen
Schatten- und Sonnenspiel:
der Berg auf der anderen Seite des Tals
und hier der längst verlassene Palast.
Lärmend erwacht die Stadt.
Funkeln unter Wasser,
als klebten Sterne auf Steinen.
Greife hinein,
merke den Sonnentrug.
Wasserrauschen im Ohr,
ich höre es kaum mehr,
hier und da bellt ein Hund,
verstummt.

Süße Weihnacht

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Sternenzuckerkleid; Grafik: K. PollnerDer Sturm zerfetzt die Wolkendecke und gibt den Blick frei.

Sie trinkt gierig die weite Finsternis.

Schon als Kind suchte sie nach einer Heimat nicht im Dorf, sondern dort draußen hinter dem hellsten Stern.

Die Konstellationen liegen ausgestreut wie Zucker auf einem schwarzen Blech.

Sie leckt an der Fingerkuppe, nimmt die Kristalle auf und schmeckt.

Scharfe Süße prasselt auf der Zunge und vibriert im Blut.

Die Synapsen blitzen und funken Energie.

Sie schließt die Augen und gibt sich der Zuckerorgie hin.

Sie tanzt in ihrem Sternenzuckerkleid zwischen den Sternen.

Und irgendwo drei Weise wundern sich und folgen ihrem Schein.

 


Dies ist meine letzte Adventsetüde. Sie entstand aus den drei Wörtern Finsternis, Stern und Zuckerorgie.

Ich danke Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ für ihre Schreibeinladung für die Adventswochen.

Sie hatte 24 Wörter vorgegeben, von denen je drei den Keim für eine Kürzestgeschichte mit maximal 10 Sätzen bilden konnten.

Acht Etüden habe ich geschrieben und nun wünsche ich frohe Festtage!