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Klaus war begeistert über den Billardtisch in der Wohnküche. Er strich andächtig über die Stoffbespannung. 

“Funktioniert der?”, fragte er. 

Isabell wusste in diesem Moment, dass Klaus die Wohnung mieten wollte. Und sie wollte auf keinen Fall hier einziehen.  

Laut Anzeige war die Wohnung im Shabby Chic gestaltet, aber das war kein Schick, das war Schäbigkeit. Es war aktuell schwierig, in Berlin eine Bleibe zu finden, doch hier deprimierte Isabell alles. 

Da war der grüne Bodenbelag. Jemand hatte ihn mit scharfen Mitteln gescheuert, aber das hatte nur ein Muster aus Kratzern hinterlassen, während der Dreck vieler Jahre festsaß. 

In der Wohnküche, die zugegebenerweise sehr groß war, aber nur über ein staubiges Fenster in der Ecke verfügte, stand außer dem Billardtisch ein durchgesessenes Sofa, über das eine krümelige Wolldecke drapiert war. 

Dieses Küchensofa trug genügend Mikroorganismen in sich, um als Ursprung unzähliger Lebensformen zu taugen. Würde es auf einem Planeten ausgesetzt, könnte nach einigen Millionen Jahren ein Paradies entstehen. Eine schöne Sache für die neuen Arten, die diesen Planeten bewohnen würden, lange nachdem sich die Menschheit auf der Erde ausradiert hatte. Aber Isabells Küche war kein Ort für biologische Wunder. 

Klaus fachsimpelte mit dem Vermieter. Er wich Isabells Blicken aus. Wie weit würde er gehen? Würde er entscheiden, ohne sie zu fragen? Er zahlte die Miete, sie war nur zur Begleitung in Berlin. Aber sie würde oft allein in dieser Küche sein, während Klaus von früh bis spät arbeitete. 

Billardkugeln polterten durch das Innere des Tisches. Für nächtliche Spiele war der Tisch zu laut und Klaus war nur nachts zu Hause. 

Er hatte noch nie Billard gespielt. Er wollte sich wohl nur als ein Mann mit Billardtisch fühlen.

Und Isabell sollte dafür in dieser Bruchbude hausen.

„Klaus,“ sagte sie, „entscheide dich: Der Billardtisch oder ich.“ 

Es konnte da keinen Kompromiss geben.


Dies ist eine ABC-Etüde. Drei Wörter mussten in einen Text von maximal 300 Wörtern eingefügt werden. Die Wörter lauteten Billard, aktuell und gestalten und wurden gespendet von Monika mit ihrem Blog Allerlei Gedanken.

Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ stellt alle zwei Wochen eine neue Schreibaufgabe: Sie präsentiert eine Wortspende, die in einen Text zu integrieren ist, und sammelt die entstandenen ABC-Etüden. Ein vergnügliches Spiel, offen für alle, die Lust darauf haben.

Herzlichen Dank für die Inspiration, Monika und Christiane!

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