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Mir träumte, ich wäre eine Küchenmagd. Hunderte von uns rührten und kneteten, blanchierten Mandeln und trennten Eier. Es war ein Rufen und Schimpfen, Schaben und Kratzen.

Ich schlug Eiweiß in einer großen Schüssel. Ich wirbelte ich den schweren Schneebesen. Meine Schulter schmerzte, mein Handgelenk brannte. Ich hielt inne und schüttelte den Arm aus, doch schon hieß es weiterrühren. Ohne Unterlass und unter Qualen arbeiteten wir. Immer mehr Eier wurden in großen Körben hereingetragen, immer neue Berge frischer, gelber Butter, Säcke voll Mehl und Zucker. 

Das Rühren und Kneten nahm kein Ende. Akribisch prüfte der Koch, ob wir die Zutaten richtig vermengten. Die Konsistenz musste stimmen, die Rezeptur musste aufs Gramm eingehalten werden. Wir backten den Königskuchen und ein König würde die geringste Abweichung herausschmecken.

Mir schien, als hätte ich mein ganzes Leben in dieser Küche gestanden, geschwitzt und gerührt. Als wären wir alle schon immer hier gewesen und hatten uns geplagt. Doch der Kuchen wurde niemals fertig. 

Ich ließ den Schneebesen los. 

“Rühr weiter!”, befahl der Koch.

“Es gibt keinen Königskuchen”, sagte ich. “Es gibt keinen Kuchen und keinen König.”

“Ketzerei”, riefen einige.

“Sie hat recht. Weg mit dem Königskuchen”, schrien andere und warfen die Rührlöffel und Schneebesen weg. 

Es gab einen Tumult. Eischnee und Mehl flogen durch die Luft. Jemand kippte mir eine Schüssel mit Teig über den Kopf. Meine Augen verklebten, ich rutschte aus und fiel hin. Ich versank in der süßen Masse. Es wurde still um mich und ich erwachte. 

Ich backte einen Kuchen. MIt Zuckerguß schrieb ich darauf: Es gibt keinen König. 

Aber es gab einen Kuchen und den aß ich auf. 


Dies ist eine ABC-Etüde. Drei Wörter mussten in einen Text von maximal 300 Wörtern eingefügt werden. Die Wörter lauteten Königskuchen, akribisch, träumen und wurden gespendet von Ludwig Zeidler, dem Erfinder der ABC-Etüden.

Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ stellt alle zwei Wochen eine neue Schreibaufgabe: Sie präsentiert eine Wortspende, die in einen Text zu integrieren ist, und sammelt die entstandenen ABC-Etüden. Ein vergnügliches Spiel, offen für alle, die Lust darauf haben.

Herzlichen Dank für die Inspiration, Ludwig und Christiane!