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Stefanie ging jede Woche ins Museum. Sie wechselte die Häuser ab, aber selbst in der Großstadt, in der sie lebte, fing sie bald wieder von vorne an. Das machte ihr nichts aus. Sie stand gebannt vor den Glaskästen und las gründlich die Beschriftungen. Sie entdeckte Details und Zusammenhänge und mitunter gab es neue Präsentationen. 

Weniger als drei Stunden verbrachte sie nie in einem Museum. Sie ließ sich nicht beirren, selbst wenn sie ungeduldige Blicke spürte, weil sie anderen, Eiligeren im Weg war. 

Diese Ausflüge ins Reich des Wissens erfrischten sie wie ein Bad in einem kalten, klaren See. Sie streifte die Verwirrtheit des Alltags ab und konnte frei atmen. 

Im Museum hatte alles seinen Platz. Zwar wandelten sich die Interpretationen und Theorien, aber gemächlich. Sie konnte Schritt halten. In ihrem Kopf fügten sich die vielen Ausstellungsstücke zusammen zu einer Systematik der Welt. Das half ihr, die Eindrücke zu sortieren, die im Leben auf sie einprasselten.  

Sie ging stets alleine ins Museum. Jede Begleitung hatte bislang die Geduld verloren. Alleine konnte sie die Ausstellungen auf sich wirken lassen, bis ihr Durst gestillt war. 

Ihre Freundin Claudia fand diese Museumsbesuche wunderlich. Claudia wanderte durch die Natur oder pflegte ihren Schrebergarten. Museen nannte sie steril und unbelebt. Was Stefanie daran so faszinierte, sollte diese nach Claudias Rat therapeutisch erkunden. Es könne nur biografische Gründe haben. Stefanie müsse sich erinnern, in die blaue Tiefe tauchen und sich den Schreckerlebnissen stellen, die sie einst innerlich versteinern ließen. 

Stefanie ließ diese Worte an sich abperlen. Was wusste Claudia schon von Versteinerungen. In ihnen lebte vergangenes Leben fort. Je länger Stefanie die Gestalt dieser uralten Pflanzen oder Tiere betrachtete, desto klarer trat sie hervor. Manchmal sah sie sogar eine Bewegung im Augenwinkel. Tief tauchen wollte sie gerne, aber nicht biografisch, sondern in die Geschichte der Welt. 


Dies ist eine ABC-Etüde. Drei Wörter mussten in einen Text von maximal 300 Wörtern eingefügt werden. Die Wörter stiftete diesmal Heidi mit ihrem Blog Erinnerungswerkstatt. Sie lauten: Die Wörter lauteten Museum, biografisch und erinnern.

Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ stellt alle zwei Wochen eine neue Schreibaufgabe: Sie präsentiert eine Wortspende, die in einen Text zu integrieren ist, und sammelt die entstandenen ABC-Etüden. Ein vergnügliches Spiel, offen für alle, die Lust darauf haben.

Herzlichen Dank für die Inspiration, Heidi und Christiane!