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“Weißt du, was wir haben?”

“Was?”

“Ein Bratkartoffelverhältnis nannte das meine Mutter.”

Marlene schob die Zwiebelstückchen vom Brett in die Pfanne. Das heiße Fett zischte.

“Hab ich noch nie gehört”, sagte sie. 

“Naja, meine Mutter war schon in den Siebzigerjahren von gestern.”

“Dann wäre sie ihrer Zeit voraus gewesen.”

Der Geruch der Zwiebeln breitete sich in der Küche aus. Tatjana schloss die Tür zum Wohnungflur. Sie wollte nicht, dass ihr Mantel stank. 

“Abgesehen davon, dass ich gerade Bratkartoffeln mache, was willst du damit sagen?”

“Wir leben nicht zusammen. Du kochst mal was für mich, aber ein klassisches Paar sind wir nicht.”

“Sollte sich das ändern? Ist es das, was du meinst? Ich dachte, wir sind glücklich.”

Marlene rührte wild in den Zwiebeln, die langsam glasig wurden.

“Ich meine gar nichts. Du standst da nur so am Herd mit der Schürze mit nicht viel darunter. Mein Bratkartoffelverhältnis, dachte ich. Ich hab das zärtlich gemeint. Du siehst hinreißend aus.”

“Wie ein Hausmuttchen?”

“Nein, eher wie ein Pinup. Und bevor du dich aufregst, ich meine auch das positiv. Ich finde, du siehst sexy aus, wunderschön, attraktiv.”

Marlene schaute skeptisch, nahm dann aber eine aufreizende Haltung ein. Und hörte sofort wieder damit auf, griff eine der gekochten Kartoffeln und warf sie Tatjana an den Kopf. 

“Was soll das?”

“Ich fühle mich doof. Als wärst du ein Liebhaber, dem ich nach dem Stelldichein eine Stärkung zubereite, bevor er heim geht zur nichtsahnenden Gattin. So will ich nicht sein.”

“So bist du auch nicht.”

“Warum sagst du dann sowas? Alles wegen der Bratkartoffeln. Ich dachte, du magst die.”

“Und wie ich die mag. So wie ich dich liebe.”

“Du liebst mich wie Bratkartoffeln?”

“Du willst mich missverstehen.”

“Übrigens hast du jetzt einen Grund, dich von mir zu trennen.”

“Bitte?”

“Die Zwiebeln sind angebrannt.”


Dies ist eine ABC-Etüde. Drei Wörter mussten in einen Text von maximal 300 Wörtern eingefügt erden. Die Wörter lauteten Pfanne, glücklich und trennen. Gespendet hat sie Doro mit ihrer Webseite/Blog DORO|ART.

Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ stellt alle zwei Wochen eine neue Schreibaufgabe: Sie präsentiert eine Wortspende, die in einen Text zu integrieren ist, und sammelt die entstandenen ABC-Etüden. Ein vergnügliches Spiel, offen für alle, die Lust darauf haben.

Vielen Dank für die Inspiration, Doro und Christiane!