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„Mopst du dich?“

„Warum sollte ich, ich gehöre mir ohnehin.“

„Was? Ach so, Missverständnis.“

„Das ist kein Missverständnis. Gibt es Menschen, die sich nicht selbst gehören?“

„Nein. Natürlich nicht.“

„Warum fragst du dann?“

„Ich wollte wissen, ob du dich langweilst.“

„Ohne deine surreale Frage war ich ganz zufrieden.“

„Wieso ist es surreal, zu fragen, ob du dich langweilst? Es kommt vor. Ich selbst weiß manchmal nichts mit mir anzufangen.“

„Dann helfen dir verrückte Fragen weiter?“

„Ich wollte doch nur, ach egal.“

„Erst verwirrst du mich und nun willst du die Sache nicht zu Ende denken.“

„Es war eine schlichte Frage. Ich verstehe unter Mopsen etwas anderes. Vielleicht ist das eine Frage der Herkunft?“

„Wie Herkunft? Sozial oder ethnisch?“

„Dialekt, Sprachgewohnheit.“

„Und was verstehst du nun unter Mopsen?“

„Eben Langweilen.“

„Ich kenne das nur als Klauen – wie in dem Lied von dem Mops, der in die Küche kam.“

„Da kommt die Bedeutung her?“

„Keine Ahnung. Langeweile hat mit Möpsen ja auch nicht viel zu tun.“

„Vielleicht wegen des möpsischen Gesichtsausdrucks.“

„Nachvollziehbarer als Klauen. Warum sollte ausgerechnet ein Mops ein guter Dieb sein? Das ist absurd. Und warum nimmt der Mops ein Ei? Gab es nichts anderes in der Küche? Wie ist der kleine Mops da überhaupt drangekommen? Ist das Ei hartgekocht oder roh? Das gäbe eine schöne Sauerei. Dann wäre der Mops auch noch ein Schmutzfink.“

„Es ist nur ein albernes Lied über einen bekloppt aussehenden Hund.“

„Nichts ist einfach nur.“

„Der Mops hat einen Hintersinn?“

„Alles verweist auf Weiteres.“

„Hui. Fabelhaft, in welche philosophischen Tiefen Mopsen führt.“

„Langeweile ist der Ursprung jeder guten Idee!*, stand früher in der U-Bahn zu lesen. Eingekeilt zwischen Leibern in feuchten Mänteln litt ich und starrte auf diesen Spruch.“

„Recht hatten die Verkehrsbetriebe!“

„Aber provokant war es doch.“

* Zitat von Francesco Clemente


Eine ABC-Etüde zu den Wörtern Schmutzfink, fabelhaft und mopsen. Diese drei Wörter sollten in einem Text von maximal 300 Wörtern sinnvoll eingesetzt werden. Die Wörter spendierte Judith mit ihrem Blog Mutiger leben.

Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ stellt alle zwei Wochen eine neue Schreibaufgabe: Sie präsentiert eine Wortspende, die in einen Text zu integrieren ist, und sammelt die entstandenen ABC-Etüden. Ein vergnügliches Spiel, offen für alle, die Lust darauf haben.

Vielen Dank für die Inspiration, Judith und Christiane!