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GruenerSchuh

“Ich schaue Männern auf die Füße”, sagte die Frau im roten Kleid. “Das sagt alles.”

“Die Schuhe?”, fragte ihre Begleiterin mit der verspiegelten Sonnenbrille. 

Er zog seine Füße unter den Caféhaustisch. 

“Genau”, sagte die Erste. “Vergiss Lackschuhträger, sie machen dir etwas vor. Bei Turnschuhen liegt der Teufel im Detail. Neulich sah ich einen Mann mit giftgrünen Turnschuhen. Da schrillten bei mir alle Alarmglocken. Der ist zu allem in der Lage.”

“Eigentlich finde ich bunte Schuhe hübsch”, sagte die zweite Frau und sog nachdenklich an ihrem Strohhalm. 

Ob der Halm aus Plastik war? Sehr wahrscheinlich, schließlich mussten die Plastikstrohhalmvorräte aufgebraucht werden. Kein gutes Bild, wie sie da saß mit dem Plastik im Mund, das später im Ozean schwimmen und von einem Fisch verschluckt würde, der daran verendete. Es beruhigte ihn, dass die Frau zwar perfekt herausgeputzt war, aber diesen Fauxpas beging.   

“Hübsch oder nicht, bunte Turnschuhe sind ein schlechtes Omen. Ein solcher Mann ist zu einer harmonischen Beziehung nicht in der Lage. Halte dich an Männer mit weißen oder schwarzen Schuhen, solange es kein Lack ist. Die sind solide.”

Die Frauen schauten hinaus auf die Strandpromenade. Füße liefen vorbei. Die meisten steckten in Flipflops oder Sandalen. 

“In diesem Fall”, sagte die Frau im roten Kleid, “würde ich zu einem Sandalenträger raten. Flipflops sind zu haltlos. Und dieses schmatzende Geräusch. Ein Mann, der mit solchen Schlappen aus dem Haus geht, hat keinen Sinn für Ästhetik und schlingt beim Essen.”

“Füße sind doch nicht alles”, wandte die Zweite ein. 

“Sie sind das Fundament. Nur wenn das stimmt, kannst du den Blick nach oben schweifen lassen.”

Sie zahlten und gingen. Er schob seine grünen Turnschuhe unter dem Tisch hervor. Er wünschte, er hätte sie nicht versteckt. Grün war seine Lieblingsfarbe, auch wenn er kein Frosch mehr war.  

Aber das war eine andere Geschichte. 


Eine ABC-Etüde zu den Wörtern: Füße, harmonisch und wünschen. Diese drei Wörter sollten in einem Text von maximal 300 Wörtern sinnvoll eingesetzt werden.

Die Wörter gespendet hat Gerhard vom Blog Kopf und Gestalt.

Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ schlägt alle zwei Wochen neue Wörter vor und sammelt die entstandenen ABC-Etüden. Ein vergnügliches Spiel, offen für alle, die etüdisieren möchten.

Vielen Dank für die Inspiration an Christiane und Gerhard, den Wortspender!