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Viel zu selten schreibt sie im Café. Dabei ist das der Inbegriff des Schriftstellerdaseins: in einem kleinen, gut besuchten, aber nicht überlaufenen Café sitzen, einen Kaffee vor sich, vertieft in Zeilen, die später von der Welt verschlungen werden.

„Schau nicht hin, aber dahinten sitzt sie.“

„Wer?“

„Sie, die Autorin, die mit diesem Buch, wie heißt sie noch gleich?“

„Ach sie? Die überall zu sehen war? Du meinst, das ist sie?“

„Auf jeden Fall.“

„Sie sieht gewöhnlich aus.“

„Eher langweilig.“

„Könnte mal zum Friseur gehen.“

„Und dieser Pulli hat bessere Tage erlebt.“

„Ob sie trinkt?“

„Ihr erstes Buch hat mir besser gefallen.“

„Richtig gut hat sie nie geschrieben.“

„Sie hatte nur das richtige Thema im richtigen Moment.“

„Und es gab sonst nichts Interessantes.“

„Ein literarisches Sommerloch.“

„Seitdem beißt sie sich fest und schreibt dasselbe wieder und wieder.“

„Warum gibt sie nicht auf?“

„Dort sitzt sie und fügt stur Worte aneinander.“

„Vielleicht verfasst sie nur Bewerbungen.“

Sie klappt das Notebook zu. Selbst ihre Tagträume sind verdorben.


Eine ABC-Etüde zu den Wörtern: Café, verdorben und beißen. Diese drei Wörter sollten in einem Text von maximal 300 Wörtern sinnvoll eingesetzt werden.

Die Wörter gespendet hat Rina. Ihr Blog heißt Geschichtszauberei.

Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ schlägt alle zwei Wochen neue Wörter vor und sammelt die entstandenen ABC-Etüden. Ein vergnügliches Spiel, offen für alle die etüdisieren möchten.

Vielen Dank für die Inspiration an Christiane und Rina, die Wortspenderin!

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