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2B02BE56-6E5B-43CE-8CF2-FD271DC65E15Eisregen landet auf ihrer Stirn, schmilzt und rinnt über ihr Gesicht. Sommersprossen aus Kälte, die vergehen, indem sie entstehen — Kategorie einundsiebzig.

Im Land der Trockenheit erzählten die Alten vom Trommeln schwerer Tropfen. Von Flüssen, die die Ebene schluckten. Von schwerer, satter Erde. Vom See aus Gras und Blüten, der erschien und zerging. Von Linien, die die Erde in Stücke rissen und zerfielen. Bis nur der Staub blieb, der die Füße puderte und in den Augen brannte. 

Das Wasser hatte sich tief in den Boden verkrochen. Nur noch trockene Äste und Dornen trugen die Büsche. Das Vieh dorrte aus und viele Kinder starben, bevor sie ihr erstes Wort sprechen konnten.

Die Jungen zogen in die Ferne, Regen zu suchen. Keiner kehrte zurück.

Sie war das erste Mädchen, das über den Sand geschickt wurde. Der Schatz hieß Überleben. Er wartete auf sie unter dem Regenbogen.

Damals wusste sie nichts von den Bändern aus Farbe, die der Himmel spannt. Jetzt, im Land des Wassers, hält sie Ausschau nach den Zeichen. Sie folgt ihnen, aber sie läuft nie schnell genug, um den Regenbogen zu erreichen, bevor er verblasst.

Sie studiert den Regen. Lässt ihn auf Händen und Gesicht landen, schmeckt und betrachtet ihn. Meist sind die Tropfen transparent, doch manchmal bluten die Wolken. Sie tragen roten Sand mit sich, Sand aus dem Land der Trockenheit. Die roten Tränen mahnen sie, nicht stehenzubleiben.

Sie geht weiter. Eine Flocke streift ihre Wange. Einsetzender Schneefall — Kategorie einhundertunddrei.


 

Eine ABC-Etüde zwischen den Jahren. Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ schlägt alle zwei Wochen drei Wörter vor, aus denen ein kurzer Text zu schreiben ist. Der Text darf nicht mehr als 300 Wörter lang sein.

Die Wörter stiftete dergl von „Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel“. Sie lauteten: Regenbogentransparent und bluten.

Vielen Dank an Christiane und die Spenderin!

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