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Christbaum; Grafik: K. Pollner„Kaufen wir einen Winterbaum?“

„Einen was?“

„Einen Winterbaum, so für Kugeln dran!“

„Christbaum?“

„Ja.“

„Warum sagst du das nicht?“

„Weil mir das Wort nicht einfiel.“

„Dir fällt das Wort Christbaum nicht ein?“

„Ja.“

„Du wolltest nicht politisch korrekt sein?“

„Quatsch. Ein Christbaum ist ein Christbaum ist ein Christbaum.“

„Eben. Mit Engelshaar.“

„Ne, das nicht.“

„Warum?“

„Engelshaar ist scheußlich. War das nicht außerdem aus Asbest?“

„Keine Ahnung. Aber ich trauere dem nach: Lametta aus Blei und Engelshaar aus Asbest und Wunderkerzen, aus denen glühende Kometen auf die bunten Teller stürzten.“

„Die Plätzchen schmeckten dann so komisch. Weißt du noch, als der Adventskranz brannte?“

„Danach lag er angekohlt im nasskalten Regen bis Dreikönig.“

„Und drinnen wollte Mama die Scheidung, weil ihr Papa ein Bügeleisen geschenkt hatte.“

„Da war was los.“

„Kaufen wir uns jetzt einen?“

„Einen was?“

„Einen Winterbaum.“

„Haha.“

„Im Ernst.“

„Na gut. Zur Erinnerung an die schönen alten Zeiten.“


 

Eine (wieder leicht) verspätete ABC-Etüde. Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ schlägt alle zwei Wochen drei Wörter vor, aus denen ein kurzer Text zu schreiben ist. Der Text darf nicht mehr als 300 (meine eigene Regel: 150) Wörter lang sein.

Die Wörter stiftete Elke H. Speidel von Transworte auf Litera-Tour. Sie lauteten:  Winterbaum, nasskalt und nachtrauern.

Vielen Dank an Christiane und die Spenderin!