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Scherben; Grafik: K. PollnerHinter den Fenstern graupelt es.

Nicht einmal richtigen Schnee bringt dieser ewige Winter zustande.

Der Marmor trägt hellbraune Borten aus Kalk.

Sie schrubbt energisch über das Fensterbrett und stößt an das Krüglein aus dem Reiseandenkenladen in Split.

Nach kurzem Zögern stürzt sich das hässliche Krüglein in den Tod.

Schlüsselblumengelbe Scherben streuen sich auf dem Linoleum aus, leuchten Gelb auf Grün wie ein zynischer Gruß des ausbleibenden Frühlings.

Sie bückt sich und sammelt die Scherben auf.

Ein scharfer Schmerz an ihrem Daumenballen und Rot mischt sich ins Gelb.

Das Krüglein geht so lang zum Brünnlein, bis es bricht, denkt sie.

Als ob die Verniedlichung es erleichterte.


Eine neue ABC-Etüde, natürlich auf Einladung von Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ (Schreibeinladung für die Textwoche 5.18). Merci!

Elke Speidel vom Blog transsilabia.wordpress.com spendete die drei Wörter für diese Woche: Krüglein, schlüsselblumengelb und graupeln. Daraus war eine Kürzestgeschichte zu bilden (maximal zehn Sätze).

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