Schlagwörter

, , , , ,


Stress; Grafik: K. Pollner„Du bist eine Frostbeule“, sagte die Kollegin.

Sie sagte nichts, krümmte sich nur noch enger zusammen.

„Ich verstehe nicht, warum du mit nach draußen kommst, wenn du so frierst.“

Sie wusste auch nicht, warum sie hier stand und zuließ, dass ihr Körper zu sprödem Eis gefror.

„Dabei rauchst du gar nicht“, fügte die Kollegin hinzu und zündete sich eine zweite Zigarette an.

Die eisige Luft biss die Gedanken weg.

Drinnen im kuschelwarmen Büro hackten Erwartungen auf sie ein, hockten auf ihrer Schulter und gruben die Krallen tief in ihr Fleisch.

Stress klang so steril, nein, das, was sie hetzte, war kein Stress, sondern eine wimmelnde Meute aus Wollen und Sollen und Fürchten und Müssen.

Im kalten Wind wurde es still; sie hob den Kopf und hielt Ausschau nach der Hoffnung, die sie eines Tages wegtragen würde auf einem weißen Pferd.

Der Kollegin konnte sie das nicht erklären, also zuckte sie mit den Achseln, lächelte und schwieg.


Hinter der sechsten Tür in meinem erratischen Adventskalender verbarg sich diese Kürzestgeschichte. Sie entstand wiederum aus drei Wörtern, diesmal Frostbeule, Stress und Hoffnung.

Eingeladen zu den Adventsetüden Etüden hat nach wie vor Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ (Schreibeinladung für die Adventswochen). Merci!

Für den Advent hat sie 24 Wörter vorgegeben, aus denen man je drei wählt, um draus eine Kürzestgeschichte mit maximal 10 Sätzen zu bilden.

 

Werbeanzeigen