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stollen-klDiesmal würde er den Weihnachtsspirit zelebrieren mit allem Zipp und Zapp.

In den letzten Jahren hatte er sich nur eine Flasche Fertigglühwein gegönnt, von dem ihm schon nach dem ersten Schluck der Mund gepappt hatte.

Doch jetzt stiegen Erinnerungen in ihm hoch an Christstollen und klebstoffverschmierte Sterne aus Goldpapier, drängten Scherben, Streit und Tränen in den Hintergrund.

Was so ein Stromausfall bewirken konnte.

Drei Teelichter hatte er in der Schublade gefunden, doch der Kerzenschein reichte nicht aus, um ohne Mühe zu lesen, und so saß er einfach da und starrte ins Halbdunkel.

Als der Strom wieder zurück war, wickelte er sich aus seiner Bettdecke, steckte das Ladekabel in sein Handy und googelte nach Rezepten für Christstollen.

Er erinnerte sich nun, dass seine Oma das Stollenbacken nur unter heftigem Fluchen und hartem Trinken hinter sich gebracht hatte.

Vor dem Backen müsste er das verkrustete Backblech schrubben und außerdem konnte er diese kleinen, zähen Bröckchen im Stollen nicht leiden, dieses Orangeat und Zitronat, diese Rosinen, die zwischen den Zähnen klebten, und wenn er das alles wegließ, würde der Stollen ein einfacher Kuchen mit Puderzucker sein.

Im Grunde lag ihm nichts an Süßkram, also würde er gar keinen Stollen essen, mit oder ohne Orangeat.

Er würde sich am Heiligen Abend wieder eine Pizza mit Käse im Rand bestellen, vielleicht würde er Fertigglühwein dazu trinken, das musste reichen, Weihnachten hin oder her, er war ein freier Mann und der Tradition nichts schuldig, was hatte die denn je für ihn getan.


 

Dies ist die zweite Adventsetüde.

Eingeladen hatte Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ (Schreibeinladung für die Adventswochen). Merci für das Ideenfutter!

Für den Advent hat sie 24 Wörter vorgegeben, aus denen man drei für jeden Text wählen kann (hier fiel mein Los auf: Christstollen, Kerzenschein und Backblech). Daraus war eine Kürzestgeschichte zu bilden (maximal zehn Sätze).