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Adventskranz; Grafik: K. PollnerSie lagen aufgetürmt wie auf einem frischen Grab, doch statt Spruchbändern trugen sie Preisschilder.

Zwei Preise waren dick mit Edding durchgestrichen worden und nun stand da in Rot eine Zahl, die ihr immer noch zu hoch schien, aber die Adventskränze als Ladenhüter brandmarkte.

Sie könnte auch den kleinsten Kranz nur mit Schwierigkeiten in ihrer Einzimmerwohnung unterbringen.

Aber vor allem stellte sich die Frage: Sollte sie den Advent überhaupt in ihr Leben holen?

Dass die Adventskränze bereits im Preis verfielen, beunruhigte sie, denn sie hatte noch keine Antwort gefunden, obwohl die Festtage mit schweren Schritten nahten.

Sollte sie Weihnachten unbeachtet verstreichen lassen oder sollte sie bei Kerzenschein in Dominosteine beißen und der Einsamkeit die Stirn zeigen?

Warum dachte sie ausgerechnet an Dominosteine, die sie nicht besonders leiden konnte?

Dominasteine, hatte ihr Freund jedes Mal hinzugefügt, sobald die Rede darauf kam, als sei es ein angeborener Reflex, Dominasteine, gefolgt von einem schnappenden Lachen.

Schlagartig verkehrte sich das Gefühl der Einsamkeit in Erleichterung über das Alleinesein.

Sie kaufte einen mittelgroßen Kranz und ging beschwingt durch den Park nach Hause, schnupperte am Tannengrün, summte In dulci jubilo und freute sich auf ihr Fest in himmlischer Ruhe.


 

Dies ist meine erste Adventsetüde, weitere werden folgen.

Eingeladen hat wieder Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ (Schreibeinladung für die Adventswochen).

Für den Advent hat sie 24 Wörter vorgegeben, aus denen man drei für jeden Text wählen kann (hier fiel mein Los auf: Adventskranz, Dominosteine und Einsamkeit). Daraus war eine Kürzestgeschichte zu bilden (maximal zehn Sätze).

Danke für die Anregung, Christiane!