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An der nassen Scheibe klebt ein Ahornblatt. Sie bewundert den Farbverlauf. Welche Mühe sich Bäume geben, bevor sie das Sommerkleid fallen lassen. Bald steht der Ahorn kahl in den alten Blättern und setzt auf den Frühling.

Sie hält die alten Kleider fest. Stapelt sie in der Kammer, bis sie löchrig und zerschlissen sind. Als krabbelten die Erinnerungen in die Kleider hinein, wenn wir sie tragen. Wünsche und Hoffnungen, die nicht verfliegen, solange die Kleider bleiben.

Lass sie los, sagt sie sich, wirf die angestaubten Träume in den Sturm. Schick sie auf eine Chinareise oder zum Mond und lass dir neue Blätter wachsen.


Herzlichen Dank an Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ und ihre Schreibeinladung für die Textwoche 45.17.
Elke H. Speidel (transsilabia.wordpress.com) spendete die drei Wörter für diese Woche, aus denen eine Kürzestgeschichte (maximal zehn Sätze) zu bilden war. Sie lauteten: Ahornblatt, Chinareise, krabbeln.

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