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SchlittenIm Advent gab es zu wenig Schnee. Der fiel an Ostern. Meine Eltern beklagten das. Ich flehte den Himmel an, mehr Schnee zu schicken, aber ich war zu schwach.

So saßen wir sonntags in der Stube. Draußen prasselte der Regen, drinnen flackerten Kerzen. Wir aßen Lebkuchen und sangen Weihnachtslieder. Wir zogen die Vorhänge zu, damit wir das Elend nicht ansehen mussten.

Wo meine Eltern herkamen, waren sie im Dezember Schlittschuh gefahren und durch den tiefen Schnee gestapft. Das waren Winter gewesen.

Manchmal schneite es doch und der Schnee blieb liegen. Meine Eltern waren skeptisch. Oft hatten sie recht und der Föhn leckte den Schnee über Nacht wieder auf. Aber ab und zu lag Schnee genug, um Waldweihnacht zu feiern.

Wir gingen hinein in den dunklen Wald. Am Waldrand durfte ich mich auf den Schlitten setzen. Zwischen dem dünnen Schnee lagen die Wurzeln blank. Der Vater musste den Schlitten mit Gewalt darüberschrappen. Nachts war der Wald größer und dichter. Die Wege führten ins Unbekannte.

Hier gab es keine Wölfe und Bären, sagte der Vater. Dies war auch kein richtiger Wald. Im Vergleich zu den Wäldern seiner Kindheit war das ein Wäldchen.

Auf den Bäumen lag kümmerlicher Schnee. Der Schlitten knirschte auf dem Kiesweg. Die Schwestern liefen hinterher und lachten. Ich schaute in das Dunkel zwischen den Baumstämmen und fragte mich, ob der Vater recht hatte. Was, wenn es doch Wölfe gab?

Wir suchten einen Weihnachtsbaum aus. Nicht um ihn zu schlagen, hier durfte man so etwas natürlich nicht. Wir brauchten ein Bäumchen, das nahe am Weg stand und schön gewachsen war. Nicht zu groß. Es war schwer, den richtigen Baum zu finden. Schließlich nahmen wir, was wir kriegen konnten.

Meine Mutter zündete Kerzen an und stellte sie vor dem Baum in den Schnee. Die Kerzen kämpften gegen die Schwärze des Waldes. Wir sangen Lieder. Das war das Herz der Weihnacht. Ich wollte es genießen.

Mir war kalt. Ich schaute mich um. Das Kerzenlicht ließ den Wald lebendig werden. Es zog die Wölfe an. Sie versteckten sich hinter den Baumstämmen und schauten uns zu. Ich verstummte.

Die großen Schwestern sangen Hand in Hand gegen die Stille an. Mein Vater stand für sich. Seine Stimme klang laut und trotzig. Meine Mutter hörte ich nur von weit her. Ich blieb außerhalb des Lichts. Ich spürte die Wölfe in meinem Rücken.

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