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Ich weiß nicht warum, kleine Städte meide ich. Doch vor ein paar Tagen ließ es sich nicht umgehen. Diesmal war es Wolfenbüttel.

Schon auf den ersten Metern drückte es mich nieder. Die Häuser strahlten allerliebst; jede Fassade zeigte sich historisch wertvoll. Ich sehnte mich nach Graffitis, aber Fehlanzeige. Die Decken der Lädchen hingen niedrig, selbst die Fastfoodfiliale sah aus wie Omas Kaffeestube. Ich duckte mich beim Eintreten. Die Verkäufern lächelte, als würde sie sich freuen, mich zu sehen. Ich war verunsichert. Sie schenkte mir einen Keks. Ich flüchtete.

Draußen rutschte ich aus. Der Schnee war nicht geräumt worden. Ich atmete auf. Buckeleis ist mir vertraut. Mir fehlten Müll und Hundehaufen, aber wenigstens war es glitschig.

Am Ende der Straße stand ein großes Gebäude. Ich legte die Hände an eine Scheibe und blickte ins Innere. Ein riesiger, kahler Raum. In der Mitte waren früher offensichtlich ein paar Rolltreppen auf und ab gefahren.

„Das war Hertie“, sagte eine Stimme hinter mir. Ein dicker Mann mit babyblauer Mütze zwinkerte mir zu. Schon wieder diese Freundlichkeit.

„Aha“, sagte ich.

„Jetzt hat es die Stadt gekauft.“

„Und was wird damit?“

„Die suchen einen Investor. Naja. Ich erleb das nicht mehr, dass einer kommt.“ Er lächelte dennoch vergnügt.

„Vielleicht doch? Ich wünsche es ihnen“, sagte ich.

Ich erschrak. Woher dieser Drang zur Nettigkeit? Die Wolfenbütteler Krankheit hatte mich befallen.

Er sah mich mitleidig an.
„Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag“, sagte er.

Ich bemühte mich, kühl zu nicken, aber ein Lächeln stahl sich in mein Gesicht.

Zur Entgiftung schaute ich lange durch die Scheibe in das Gebäude hinein. Wolfenbüttel hat seine schönen Seiten.

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