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Letzte Woche las ich in der Zeitung: Frau aus Singlebörse im Internet geworfen. Das fand ich hochinteressant, weil ich das gegenteilige Problem habe. Kaum habe ich mich kostenlos registriert, werden mir jahrelang unwiderstehliche Angebote unterbreitet. Wie schafft man es, dass das aufhört?

Die Geschichte ist einfach: Die Frau hatte sich neu angemeldet, ein Profil eingerichtet, sogar ein paar Zuschriften erhalten. Als sie sich nach ein paar Stunden wieder einloggen wollte, war ihr Profil gelöscht. Ein Versehen? Nein. Zu wenige Männer könnten ihr nach den wissenschaftlichen Berechnungen der Börse vorgeschlagen werden, hieß es. Da wollte man ihr Enttäuschungen ersparen. Sprich: Sie galt als unvermittelbar.

Laut Zeitungsartikel ist die gelöschte Frau „schlank, blond, sportlich“, sie hat keine pornografischen Bilder eingestellt, niemanden beleidigt, mit zwei Hochschulabschlüssen ist sie vermutlich in der Lage, einigermaßen korrektes Deutsch zu schreiben.

Da liegt wohl das Problem: Sie ist überqualifiziert. Zwei Abschlüsse und auch noch attraktiv, das sprengt natürlich den Rahmen einer Partnerschaftsbörse, die Menschen mit akademischem Hintergrund vermitteln will.

Auf dem Stellenmarkt ist Überqualifikation ein bekanntes Phänomen. Die Kreisvolkshochschule Osterode bietet einen Intensivkurs zur De-Qualifizierung für Akademiker an. So wären sie besser beruflich einsetzbar. Der Kurs soll am 1. April stattfinden, aber vielen schien das Angebot durchaus plausibel. Es gab erste Anmeldungen.

Nun also auch auf dem Beziehungsmarkt. Ich hatte schon davon gelesen. Angeblich gibt es zwei Sorten Ladenhüter in Sachen Liebe: Gebildete Frauen und ungebildete Männer. Die beiden sind schwer zusammenzukriegen, weil die Frauen zu anspruchsvoll sind.

Ich schaltete den Fernseher ein und landete in einer Talkshow. Eine Singlefrau mit Geld und Karriere wurde vom Rest der Runde verhört, warum sie noch keinen Mann gefunden hätte. Sie sollte doch einen ihrer Kollegen nehmen, hieß es, das sei altbewährt. Sie antwortete, ihre Kollegen seien entweder verheiratet, nicht an ihr interessiert oder hätten eine Macke. Da sehe man sehr schön die festgefahrene Sicht, den Kern allen Übels, sagte der Psychotherapeut. Was hätte sie bloß gegen Männer mit einer Macke einzuwenden? Offensichtlich war die Frau zu höflich, um im Fernsehen ihre Kollegen näher zu beschreiben, sie lächelte bloß vielsagend. Ich fragte mich, warum niemand vorschlug, die verheirateten Männer ins Visier zu fassen. Auch über deren kleinen Makel könnte man hinwegsehen. Doch offensichtlich war der Sender dafür zu konservativ.

Zumindest wurden hier noch Männer mit Macken angepriesen. Die Singlebörse sieht dagegen gar keine Möglichkeit für Frauen mit zu viel Bildung.

Vor über hundert Jahren warnten die Antifeministen davor, den Frauen das Studium zu erlauben. Dabei würde die Weiblichkeit beschädigt. Was sollte aus der Ehe werden? Jetzt haben wir den Salat. Vielleicht hätte man es bei etwas Stricken, Tanzen und Französisch belassen sollen und jeder Topf fände einen Deckel. Zur Not halt einen, der nicht richtig schließt. Nur nicht zu anspruchsvoll sein.

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