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Die Reden waren gehalten. Ich kämpfte mich zum Buffet vor, schließlich hatte ich mir das Mittagessen verkniffen. Ich spießte den ersten Bissen auf, als ich ein Glas klingen hörte.

Herr Müller, der Justiziar, stand Frau Maier gegenüber, als wolle er sie zum Duell fordern. Frau Maier hatte den Abschiedsreden demütig gelauscht, sich ihrerseits bei allen bedankt, jetzt schien sie am Ende zu sein.

„Frau Maier“, sagte Müller, „vor fünfundzwanzig Jahren stellte ich Ihnen eine Frage. Ich sage nicht, wie die Frage lautete, aber sie aßen mit anderen Herren zu Abend.“

„Jeder ist besser als er“, flüsterte mir Sonja ins Ohr.

„Nun“, fuhr Müller fort, „ich habe das auf sich beruhen lassen. Sie wissen vielleicht, dass ich die ewige Stadt sehr liebe.“

„Wer wüsste das nicht“, stöhnte Sonja.

Müller nestelte ein Päckchen aus der Baumwolltasche, die in seiner Armbeuge hing. „Dies ist ein Führer durch das kulinarische Rom. Die Adresse meines kleinen Appartements habe ich mir erlaubt hineinzuschreiben. Bald gehe auch ich in den Ruhestand. Dann werde ich in Rom auf Sie warten. Läuten Sie an meiner Tür und ich entführe Sie in mein liebstes Restaurant. Jederzeit.“

Frau Maier nahm das Buch entgegen, ohne Müller ins Gesicht zu sehen. Es war eine Weile still. Jemand hatte Erbarmen und klatschte. „Nun müssen sie sich aber stärken“, sagte der Chef jovial und führte Frau Maier in Richtung Buffet ab.

Herr Müller stand allein in der Mitte des Saals. An seinem Hals war ein roter Fleck. Er zupfte am Henkel der Baumwolltasche und starrte auf die Stelle, an der Frau Maier bis eben gestanden hatte.

„Der Ritter von der traurigen Gestalt“, dachte ich.

„Der alte Bock“, sagte Sonja.

Ich hasste sie für einen Moment. Dann lachte ich und machte mich an die Buletten.

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